1990
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Eröffnung des Freihafens

„Hafen 2000“

Am 13. Juni 1989 erhöhten die Gesellschafter der Hafag das Grundkapital von 30 auf 90 Millionen D-Mark. Der Bund, Nordrhein-Westfalen und Duisburg waren nun mit je 30 Millionen D-Mark am Hafen beteiligt – die Voraussetzung für eine grundlegende Neuausrichtung. Weil der Umschlag von Massengut auch in Zukunft weiter zurückgehen würde, entwarf die Hafenleitung die Vision „Hafen 2000“. Danach sollte Duisburg zu einem multifunktionalen Dienstleistungs- und Güterverkehrszentrum werden.

Ein Schritt auf dem Weg zum „Hafen 2000“ war die weitere Zuschüttung von Hafenbecken, um mehr Platz für die Ansiedlung von Unternehmen zu gewinnen. Die neuen Flächen wurden hochwasserfrei gestellt. Ende der 1980er Jahre verfüllte die Hafenverwaltung den hinteren Abschnitt des Kaiserhafens auf einer Länge von 240 Metern. Außerdem ließ sie den Südhafen sowie die Becken A, B und C teilweise zuschütten. Weil der Hafen immer mehr Land gewann, wurden Mieten und Pachten für die Hafag immer relevanter. Jahrzehntelang waren die Hafentarife die wichtigste Einnahmequelle gewesen. Das änderte sich nun: 1989 überstiegen Mieten und Pachten den Erlös aus den Hafentarifen um rund eine Million D-Mark.

Alfred Herrhausen, Gründer des Initiativkreises Ruhr, 1988

Neuer Name, neue Zeiten

Um die Umstrukturierung zu einem internationalen Dienstleistungs- und Güterverkehrszen-trum auch nach außen hin deutlich zu machen, gab sich der Hafen einen neuen Namen. Weil die bisherige Bezeichnung Duisburg-Ruhrorter Häfen nicht aussagekräftig genug war, trat der Hafen ab September 1989 als Rhein-Ruhr Hafen Duisburg auf. Außerdem entwarf die Hafag ein Logo: Vom Hafen, symbolisiert durch eine Raute, führt ein Pfeil in alle Welt. Diese veranderte sich 1989/90 dramatisch: Der Mauerfall leitete das Ende des Ost-West-Konflikts ein, die Öffnung des Ostblocks setzte einen globalen Wandel in Gang.

„Eine Utopi wurde Wirklichkeit“

Am 25. Juli 1989 verabschiedete der Bundestag das Freihafengesetz, das die Ruhrgebietskonferenz im Jahr zuvor auf die Agenda gesetzt hatte. Damit war der Weg bereitet für die Einrichtung des ersten deutschen Freihafens im Binnenland. Weil Zölle und Steuern erst anfielen, wenn die Waren das zollfreie Gelände verließen, konnten Unternehmen hier Außenhandelsgüter lagern, umschlagen und bearbeiten, ohne Abgaben entrichten zu müssen.

Nur wenige Wochen nach der Verabschiedung des Freihafengesetzes legten die Duisburger am 21. September 1989 den Grundstein für den Freihafen. Bereits 1988 hatte die Hafag den hinteren Bereich des Nordhafens zuschütten lassen. Zusammen mit einem einst für den Erzumschlag genutzten Areal standen 100.000 Quadratmeter hochwasserfreie Fläche zur Verfügung. Zum ersten Mal stellte die Hafenverwaltung neben Infrastruktur auch Suprastruktur bereit und baute zwei Speditionshallen. Weil die Hafag mit den Hallen ein „Signet für den Freihafen“ schaffen wollte, entschied sie sich für eine auffallige Konstruktion: Rote Pylone trugen die Dächer. Eine der beiden Hallen betrieb die im Juli 1990 gegründete DFL Duisburger Freihafen Lager-hausgesellschaft GmbH & Co. KG.

Ein gutes Jahr nach der Grundsteinlegung wurde der Freihafen am 23. November 1990 feierlich eröffnet. Mehr als 2.000 Gäste aus Politik und Wirtschaft nahmen an dem Festakt teil, darunter der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau sowie der Duisburger Oberbürgermeister Josef Krings. In seiner Rede betonte der Hafag-Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Wieczorek, der Freihafen sei ein „Symbol für eine bessere Zukunft“, und fügte hinzu: „Eine Utopie wurde Wirklichkeit.“

Johannes Rau, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, 1991