Gründung der Duisburger-Ruhrorter Häfen Aktiengesellschaft
Hafengesetz angenommen
Die Hafenverwaltung arbeitete zu dieser Zeit an der Umwandlung der Häfen in eine neue Unternehmensform. Überlegungen, die Interessen- und Betriebsgemeinschaft in eine Aktiengesellschaft zu überführen, hatte es schon vor dem Krieg gegeben. Der Duisburger Oberbürgermeister Karl Jarres griff diese wieder auf. Unterstützung fand er bei der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer.
Zwar scheiterte der erste Anlauf, weil der Preußische Landtag ein entsprechendes Gesetz ablehnte, doch 1926 machte die Politik schließlich den Weg für die Umwandlung in eine AG frei. Am 24. Juli verabschiedete der Preußische Landtag das Gesetz zur Übertragung der staatlichen Hafenanlagen in Duisburg an eine Aktiengesellschaft. Am 30. September 1926 wurde die Duisburg-Ruhrorter Häfen AG ins Handelsregister eingetragen. Bald schon bürgerte sich der Name Hafag ein; ursprünglich wurde dieses Kürzel nur für den Telegrammverkehr vorgesehen.
Anteilseigner der Duisburg-Ruhrorter Häfen AG mit einem Grundkapital von 18 Millionen Reichsmark waren zu zwei Dritteln der Staat Preußen sowie zu einem Drittel die Stadt Duisburg. Der Vorstand bestand aus einer Doppelspitze: den Regierungsbauräten Karl Hoffbauer und Johannes Germanus.
Karl Hoffbauer hatte nach seinem Studium zunächst als Baumeister bei der Regierung in Stettin gearbeitet. 1920 war er als Direktor der Reederei Rhenus nach Duisburg gekommen, um zwei Jahre später zur Verwaltung der Duisburg-Ruhrorter Häfen zu wechseln. Johannes Germanus war schon ab 1903 als Regierungsbauführer an der Erweiterung des Ruhrorter Hafenteils beteiligt gewesen. 1921 trat er in die Hafenverwaltung ein.
Bei der Gründung der Aktiengesellschaft wurde er technisches Vorstandsmitglied, Karl Hoffbauer kaufmännischer Direktor. Vorsitzender des Aufsichtsrats war Walther Jaques, Ministerialdirektor im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe. Den stellvertretenden Vorsitz übernahm Duisburgs Oberbürgermeister Karl Jarres.
Daneben gehörten dem Aufsichtsrat Landtagsabgeordnete, Gewerkschaftsvertreter sowie Industrielle an, darunter Johann W. Welker, Generaldirektor bei Franz Haniel & Cie.
Als Hafag in ruhigeres Fahrwasser kam
Bereits in ihrem ersten Geschäftsjahr erzielten die Hafag und ihre rund 1.260 Beschäftigten beeindruckende Zahlen: 1926 wurden 27,7 Millionen Tonnen in den öffentlichen Häfen an Rhein und Ruhr umgeschlagen. Damit lagen die Duisburg-Ruhrorter Häfen nicht nur weit vor anderen deutschen Binnenhäfen wie Mannheim mit 5,9 Millionen Tonnen, sondern auch vor großen Seehäfen wie Hamburg mit 21,9 Millionen Tonnen.
Auch die in den Häfen ansässigen Unternehmen erlebten einen Aufschwung. Inzwischen waren dort rund 130 Firmen aus unterschiedlichen Branchen vertreten, allen voran namhafte Speditionen und Kohlehandlungen wie Franz Haniel, Hugo Stinnes, de Gruyter und Raab, Karcher & Co.
Daneben erhoben sich an Rhein und Ruhr, wie ein Hafenführer 1926 stolz vermerkte, „mächtige Speicher und Fabrikanlagen, Eisenwerke, chemische Fabriken, Sägewerke, Maschinenhallen von gewaltigem Ausmaß, Mühlen und Tankanlagen, dazwischen Schiffswerften und weitgedehnte Holzlager“.
Alle Unternehmer freuten sich nach den mageren Kriegs- und Inflationsjahren über volle Auftragsbücher – und hofften wie die Hafag auf eine Fortsetzung der „Goldenen Zwanziger“.